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Fusion & Bildzerfall

Polyphemos-MuseumOfFineArtsBoston-March25-07 Im nüchternen Zustand merken wir meistens gar nicht, dass wir die Welt mit zwei Augen gleichzeitig wahrnehmen, also eigentlich stets zwei leicht unterschiedliche Ansichten unserer Umgebung erfassen. Schuld daran ist unser Gehirn, das die beiden einzeln von den Augen übermittelten Seheindrücke zu einem einzigen, räumlichen Abbild der Realität zusammenfasst. Diesen Vorgang nennt man "Fusion" (Verschmelzung), es handelt sich dabei um eine in den frühesten Kindheitsjahren erlernte Fähigkeit.

Solange die Fusion funktioniert, sehen wir nur ein einziges Bild, quasi durch ein einziges vereinigtes Auge, das wir instinktiv in der Mitte des Gesichts verorten, wie der Riese Polyphem aus der Odysseus-Sage ("Zyklopenauge"). Doch die Fusion gelingt nur bei Gegenständen die wir mit beiden Augen gezielt anblicken, sowie mit Objekten die nicht allzu weit davor bzw. dahinter liegen.

Die Grenzen der Fusion kann man leicht erfahren, indem man den eigenen Zeigefinger mit ausgestreckter Hand vors Gesicht hält: Wenn man sich auf den Zeigefinger konzentriert, sieht man einen Finger, doch weiter entfernte Objekte sind verdoppelt; fixiert man jedoch die entfernten Objekte, sieht man plötzlich zwei Bilder des Zeigefingers! Dieses Phänomen, der sogenannte "Bildzerfall", tritt im Alltag häufig auf, wird aber vom Gehirn geschickt ausgeblendet, solange man sich nicht extra darauf konzentriert.

Beispielvideo: Fusion nur teilweise möglich

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