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Am Set

Nach all den Vorüberlegungen im vorherigen Kapitel kann es nun endlich los gehen. Doch schon beim Einpacken merkt man deutlich den Unterschied zum 2D-Dreh: es muss einfach mehr Zeug mit an's Set geschleppt werden, zumindest wenn man mit einem Kamerapaar filmt. Entsprechend dauern der Aufbau und Einstellung der Kameraausrüstung ebenfalls länger, man muss also mehr Vorlaufzeit einplanen, und zwar sowohl zu Beginn des Drehtages, als auch zwischen den einzelnen Einstellungen. Da ist es praktisch, wenn man sich voll auf die Technik konzentrieren kann, während ein anderes Teammitglied mit den Schauspielern die Szenen nochmal durchgeht. Und es hilft ungemein, wenn man sich eine Checkliste der wichtigsten Schritte macht.

Im Folgenden gehe ich stets von einem Kamera-Paar aus. Besitzer von Stereokameras können daher einiges einfach überlesen...

Aufbau der Kameras

In der Regel wird man ein Kamerapaar erst am Set auf die Stereoschiene und diese auf dem Stativ montieren. Dabei muss man für jede Szene die (hoffentlich vorab geplante) Stereobasis neu einstellen, und / oder den Abstand zum (hoffentlich vorab berechneten) Nahpunkt der Szene einhalten. Wenn man mit konvergierenden Kameraachsen drehen will, richtet man nun beide Kameras auf das gleiche Objekt aus, das sich möglichst in der Mitte des Bildfensters befinden sollte - zur Not muss mal eben ein Schauspieler sich dort hin stellen und die Stelle markieren. Wichtiger als beim 2D-Dreh ist auch die Kontrolle der Horizontlage, da ein schief aufgenommener Clip nicht waagerecht gedreht werden kann ohne im Bildvorder- oder Hintergrund Parallaxenfehler zu verursachen.

Es empfiehlt sich, für die Schauspieler Markierungen am Boden anzubringen, die den Mindestabstand zur Kamera festlegen und im Bereich vor dem Bildfenster die seitlichen Ränder aufzeigen; evtl. kann es auch sinnvoll sein, das Bildfenster selbst zu visualisieren. Kritische Szenen, bei denen Akteure im schmalen Kegel vor dem Bildfenster agieren, sollten unbedingt vorab durchgesprochen und ohne Kamera geprobt werden.

Immer bedenken: Aufnahmen, die das Tiefenbudget überschreiten, oder das Randverbot verletzen, sind unrettbar verloren!

Kameraeinstellungen

Natürlich müssen beide Kameras identisch eingestellt sein, und in der Regel sind sie das ... nicht. Zumindest vor der ersten Aufnahme sollte man alle Kameraparameter (Auflösung, Qualität, Bildrate, ...) durchgehen und ggf. korrigieren bzw. zurücksetzen, und es schadet nicht, die Prozedur in einer Drehpause zu wiederholen. Danach erst kommen werden beide Kameras für die erste Einstellung vorbereitet:

  • Weißabgleich: Wenn irgend möglich sollte man den automatischen Weißabgleich der Kameras ausschalten! Entweder man führt mit beiden Kameras (möglichst gleichzeitig, v.a. bei Außenaufnahmen!) einen Weißabgleich durch, oder man wählt bei beiden die gleiche - feste - Einstellung, ggf. über ein "Szenenmenü" oder "Motivprogramm" oder wie auch immer die (meist vorhandenen) Presets heißen.
  • Blende: Sofern man die Blende manuell einstellen kann (und weiß, was man tut) ist auch hier ein Verzicht auf die Kamera-Automatik sinnvoll - nicht nur bei 3D-Aufnahmen.
  • Schärfe: Autofokus aus, Schärfe manuell einstellen, und zwar idealerweise auf ein Objekt in der Bildfenster-Ebene, die ja später mit der Darstellungsebene übereinstimmt.
  • Zoom: Wenn man nicht eh in der weitest möglichen Weitwinkel-Einstellung filmt, sollte man dennoch erst beide Kameras vollständig in den Weitwinkelbereich fahren (Zoom-Wippe ruhig ein Weilchen länger halten, damit auch sicher beide Kameras ihr Limit erreichen). Danach fährt man mit der LANC-Fernsteuerung beide Kameras gleichzeitig langsam zum gewünschten Bildausschnitt. Dabei sollte man bedenken, dass bei der Nachbearbeitung noch ein Teil des Bildrandes wegfallen wird, also lieber den Bildausschnitt etwas zu groß wählen - insbesondere bei paralleler Kamera-Ausrichtung!

Synchronstart

Kurz vor dem eigentlichen Dreh muss das Kamerapaar in der Regel neu synchronisiert werden. Dazu werden die Kameras kurz mit dem LANC-Controller aus- und wieder eingeschaltet, dabei bleiben bei dem meisten Kameras alle zuvor gewählten Einstellungen erhalten. Wenn der Controller dann Gleichlauf vermeldet kann der Dreh beginnen. Also: Kamera ab, Ton ab, und Los! Und bitte vergewissern, dass wirklich beide Kameras starten...

Klappe

Selbst wenn die Kameras auf Millisekunden genau synchronisiert sind kann es vorkommen, dass eine Kamera einige Bilder früher oder später als die andere mit der Aufzeichnung beginnt - zumindest bei AVCHD-Kameras ist das sogar der Regelfall. Die beiden Aufzeichnungen müssen daher später noch auf bildgenau synchronisiert werden, evtl. auch mit einer extra aufgenommenen Tonspur. Schon allein deswegen sollte man am Anfang jeder neuen Aufnahme ein deutlich hör- und sehbares Signal setzen. Um gleichzeitig auch den Überblick über die einzelnen Aufnahmen zu behalten verwende ich tatsächlich eine Filmklappe, die man als "Deko-Artikel" für ein paar Euro im Internet bekommt.

Impressionen

Wie so ein Dreh dann tatsächlich ablaufen kann zeigt der folgende Clip, der bei den Aufnahmen für den Kurzfilm "Rosa" entstanden ist. Die Schüler drehen dabei mit zwei Sony SR-1 sowie zwei Sony CX115 auf dem Glidecam 1000 HD, der Ton wird zusätzlich mit dem Zoom H4 aufgezeichnet. Für die Doku-Aufnahmen habe ich zwei unsynchronisierte Kodak Zi8 eingesetzt. Damals gab es noch keinen StereoDeshaker, daher sind die Aufnahmen etwas unruhig:

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