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Spiegelrig (DIY)

Was ist das, und wozu brauche ich es?

Beim 3D-Filmen ist die wichtigste Einstellung die sogenannte "Stereobasis", also der Abstand zwischen den Linsenmitten der beiden verwendeten Kameras. Eine halbwegs natürliche Darstellung erreicht man, wenn die Stereobasis etwa so groß ist wie der Augenabstand, also ca. 65 mm. Schon diese Basis lässt sich mit vielen Kameras nicht realisieren, weil sie zu breit sind. Wenn man näher an Objekte heran gehen möchte als ca. zwei Meter, sollte man die Stereobasis noch weiter verkleinern, damit das Bild nicht "zerfällt". Bei Makro-Aufnahmen wäre eine Stereobasis im Zentimeter-Bereich oder noch geringer wünschenswert...

Der gängige Weg, beliebig kleine Stereobasen zu erreichen, nutzt einen halbdurchläs­sigen Spiegel (Teilerspiegel), der einen Teil des Lichtes (idealerweise die Hälfte) nach hinten durchlässt (zur ersten Kamera) und den Rest nach oben oder unten spiegelt (zur zweiten Kamera). Dadurch verdunkelt sich zwar das Bild, und man fängt sich jede Menge neue Probleme ein, aber dafür kann man die Kameras frei positionieren.

Warum selbst bauen?

Ganz einfach:

Weil es bisher keine bezahlbaren Spiegelrigs für Hobbyfilmer gibt! Zumindest ist mir bisher noch kein Spiegelvorsatz begegnet, der billiger wäre als meine Kameras... Profis brauchen Spiegelrigs, die man perfekt justieren kann, und die auch rauhe Einsatzbedingungen aushalten. Für mich dagegen reicht ein möglichst leichtes, kleines System, mit dem ich die bauartbedingte Beschränkung der Stereobasis überwinden kann.

Es sollte halt nicht viel kosten...

Meine Lösung: 30€ & ein paar Stunden Zeit

Ich beschreibe hier ein Do-It-Yourself-Spiegelrig, das natürlich keine motorgesteuerte Achsenverstellung und den ganzen anderen Mechanischen Kram bietet, sich dafür aber innerhalb eines Nachmittags für den Preis einer BluRay basteln lässt. Die Justierung erfordert etwas Feingefühl, aber die Ergebnisse können sich sehen lassen!

Der Plan...

Für mein Do-It-Yourself-Spiegelrig verwende ich einen teildurchlässigen Spiegel von Foto Brenner (12x18 cm, Artikelnummer 6836, ca. 18€), zwei 1/4" Geräteschrauben (ebenfalls Brenner, Artikelnummer 428285, ca. 2€), einen Satz Blumenkasten-Halter vom Baumarkt (konkret: Lux Farilia 30, ca. 8€), eine M6 Gewindestange (1m), sechs passende Muttern bzw. Flügelschrauben, sowie stabiles Holz in geeigneter Größe (in meinem Fall war's ein Reststück Laminat, 7mm stark - das Zeug lässt sich gut bearbeiten und ist schön stabil). Ich habe das ganze Rig aus optischen Gründen anschließend schwarz angesprüht, für gute Aufnahmen genügt es allerdings, den Innenraum hinter dem Spiegel mit schwarzem Tonpapier oder Samt abzudunkeln. Gesamtkosten ca. 30€ !

Als Werkzeug braucht man Stichsäge (feines Sägeblatt), Bohrmaschine (Holzbohrer Größe 6, Topfbohrer passend zum Kamera-Objektiv), Schraubenschlüssel; etwas Holzleim oder Sekundenkleber kann auch nicht schaden.

Los geht's!

Tipp #1 bevor's los geht:

Um den empfindlichen Spiegel zu schützen, habe ich während der Konstruktionsphase mit einem Dummy aus Plexiglas gearbeitet - das schont die Nerven und den Geldbeutel...

Die Hauptarbeit besteht im Zuschneiden der Grundplatte und der drei Brettchen, die den Spiegelkasten bilden. Für meine zwei CX 115 - Kameras habe ich den anhängenden Schnittplan entworfen, der auch etwa den Strahlengang des Systems enthält. Für andere Kameras müssen die Löcher für den L-förmigen Kamerahalter anders gebohrt werden.

Tipp #2:

Die Kamera-Halter müssen so eingestellt werden, dass beide Kameras auf den gleichen Punkt auf dem Spiegel gerichtet sind, sonst entsteht in der Aufnahme ein Höhenversatz. Die gewählte Anordnung der Bohrlöcher lässt eine nachträgliche Justierung zu. Der Abstand der Kameras zum Spiegel sollte auch gleich sein, hier habe ich keine Justierung vorgesehen.

Ursprünglich wollte ich einfach eine rechteckige Grundplatte verwenden, doch bei den ersten Tests zeigte sich, dass der vordere Rand der Platte im Blickfeld der hinteren Kamera lag - also musste ich ihn ausschneiden. Und wo ich schon dabei war, habe ich gleich noch alles andere weggeschnitten, was die Montage und Bedienung der Kameras erschweren könnte. Übrig geblieben ist die im Plan grün umrandete Grundplatte...

Tipp #3:

Zum Bohren ist es am einfachsten, wenn man den Plan ausdruckt und mit Tesa auf die Grundplatte klebt. Beim Sägen empfiehlt es sich dagegen nicht, da die Säge den Plan in Fetzen reißt...

Aus dem linken unteren Eck der Grundplatte wird das dreieckige Seitenteil des Spiegel­kastens ausgesägt, dazu zwei weitere rechteckige Brettchen mit 18 x 9,5 cm bzw. 18 x 10 cm als Ober- bzw. Rückseite.

Von der Gewindestange werden drei Stücke mit jeweils ca. 20 cm Länge abgesägt, am einen Ende mit Mutter und Beilagscheibe versehen und von hinten durch die Grundplatte gesteckt. Als nächstes kommt das dreieckige Seitenteil drauf, das mit drei Flügelschrau­ben befestigt wird. Nun die Ober- und Rückseite des Spiegelkastens an die Gewindestangen anlegen und leicht festziehen. Dannach kommen die Kamerahalter dran.

Tipp #4:

Die Blumenkasten-Halter sind zwar von der Größer her ideal und auch schön stabil, aber ab Werk nicht rechtwinklig! Bevor man sie montiert, sollte man sie im Schraubstock einspannen und zurecht biegen.

Um die Lage und Größe der Kameraöffnung in der Rückwand des Spiegelkastens anzuzeichnen wird nun die hintere Kamera montiert - dabei kann man auch gleich die Höhe des Kamerahalter justieren.

Tipp #5:

Die Kamera sollte soweit weg von der Grundplatte montiert werden, wie der kurze Ausleger des L-förmigen Halters zulässt, sonst könnte der rechte Rand der Grundplatte ins Blickfeld der Kamera ragen!

Im nächsten Schritt wird nun mit dem Topfbohrer die Kameraöffnung gebohrt (natürlich nachdem die Rückwand des Spiegelkastens wieder demontiert wurde). Danach unbedingt prüfen, ob Teile des Spiegelkastens in's Bild ragen!

Tipp #6:

Zum Justieren der Kamerahalter habe ich genau durch die Mitte der Kameraöffnung mit Edding einen Punkt auf die Plexiglasscheibe (Stellvertreter des Spiegels) gemalt und die Kameras bzw. die Halter so verschoben, dass der Punkt mittig in beiden Bildern lag.

Die Feinjustierung kommt dann später am fertig montierten Rig dran!

Nachdem die Kamerahalter eingestellt sind, wird der dritte L-Winkel montiert und soweit nach unten geschoben, dass er unter das Ende der unteren Kamera ragt (sonst sitzt diese später evtl. auf dem Stativ auf). Am kurzen Ausleger kann man nun z.b. eine Stativplatte anbringen.

Nun wird der Spiegel eingesetzt (bedampfte Seite nach aussen!), der Spiegelkasten geschlossen und ein letzter Test durchgeführt, ehe die Teile lackiert und verklebt werden.

Tipp #7:

Hier zeigt sich nun ein deutlicher Nachteil des verwendeten teildurchlässigen Spiegels von Brenner: er ist nämlich nicht halbdurchlässig, sondern reflektiert deutlich stärker als er durchlässt (geschätzt ca. 70:30), so dass die hintere Kamera ein dunkleres Bild sieht als die untere. Bei Tageslicht kompensiert die Kamera das, in der Dämmerung oder in Innenräumen entstehen jedoch unterschiedlich helle Aufnahmen!

Wenn keine Korrekturen am Spiegelkasten mehr nötig sind, wird die Innenseite mit schwarzem Tonpapier oder Samt ausgekleidet, oder der ganze Kasten mit schwarzem Sprühlack lackiert (matt!). Um die Stabilität zu verbessern, helfen ein paar Tropfen Sekun­den­kleber zwischen den Stoßstellen des Spiegelkastens; in meinem Fall war auch der noch nicht ganz trockene Lack hilfreich...

Tipp #8:

Bevor nun alles fest zusammengebaut wird, sollte man unbedingt den Spiegel putzen - später kommt man an die Innenseite nicht mehr ran!

 

 

Die Feinarbeit: Justierung

Damit später keine (unkorrigierbaren) Höhenfehler die 3D-Aufnahmen verpfuschen, muss unbedingt die Lage der beiden Kamerahalter so justiert werden, dass beide Kameras "durch" den selben Punkt auf dem Spiegel blicken - lediglich eine seitliche Verschiebung ist erlaubt (bzw. erwünscht), aber nicht nach oben.

Um das zu erreichen, müssen die Kamerahalter "passend" nach oben/unten (hintere Kamera) bzw. vorne/hinten (rechte Kamera) verschoben werden - doch was ist "passend"?

Tipp #9:

Um die Kameras einzustellen wähle ich zwei Objekte im Bild, die hintereinander liegen und eine klar erkennbare Höhen haben, z.B. das obere Ende eines Spatenstiels und einen Zaunpfosten. Die Objekte sollten weit genug auseinander sein, um Höhenfehler gut zu erkennen, aber zugleich so weg von der Kamera, dass beide gleichzeitig scharf abgebildet werden - was stets nur als Kompromis möglich ist. In der Praxis hat sich bewährt, das vordere Objekt etwa in der Mitte zwischen Kamera und hinterem Objekt zu platzieren.

Zuerst stelle ich die Höhe des Stativs so ein, dass beide Objekte auf dem Display der einen Kamera exakt auf gleicher Höhe liegen. Ohne die Höhe des Stativs zu verändern verschiebe ich dann den Kamerahalter der anderen Kamera so, dass auch in deren Display beide Objekte auf gleicher Höhe liegen.

Den gleichen Vorgang wiederholt man am besten noch mit ein oder zwei weiteren Objekt-Paaren, dann zieht man die Schrauben der Kamerahalter ordentlich fest.

Variationen

Der hier vorgestellte Bauvorschlag ist für ein Paar Sony CX 115 ausgelegt, die relativ klein und leicht sind. Für andere Kameras sind Veränderungen nötig.

  • Für größere Kameras braucht man, neben stabilerem Material, vor allem mehr Platz. Die Abstände zwischen den Kamerahaltern und dem Spiegelkasten müssen vergrößert werden, ggf. auch die Einstellspielräume.
  • Für Kameras mit weitwinkligerer Optik müssen die Objektive näher an den Spiegel heran, da sonst der Rand des Spiegelkastens in's Bild ragt, entsprechend ist dann ein größerer Ausschnitt für die hintere Kamera nötig.
  • Kameras mit richtig großem Objektiv werden nicht mit dem kleinen Spiegel auskommen; mit einem anderen, größeren Spiegel wird auch der Rest der Konstruktion größer und muss stabiler ausgelegt werden. Vermutlich reicht dann eine einseitige Befestigung des Spiegelkastens nicht mehr aus, da das größere Gewicht sie zu sehr verbiegt.

Ambitioniertere 3D-Filmer werden vermutlich eine stabile Schiene für die untere Kamera haben wollen, die sich am besten auch noch im Millimeterbereich fein verstellen lässt.

Und natürlich fehlt jegliche Möglichkeit, Zubehör wie Mikrofone oder Kamera-Leuchten zu montieren...

 

Zum Schluss

Ob ich den Spiegelkasten oft einsetzen werde, wird sich noch zeigen - für mich waren eher das Konstruktionsprinzip und die damit verbundenen technischen Hürden interessant. Vom Handling her ist eine einfache Schiene mit zwei parallel montierten Kameras jedenfalls praktischer, weniger auffällig, leichter zu transportieren - aber eben nicht für jede Aufnahmesituation geeignet.

Hier noch ein paar Testaufnahmen mit dem fertigen Spiegelrig. Die ersten sind noch vor der Justierung entstanden und enthalten daher Höhenkonvergenzfehler; die späteren Aufnahmen demonstrieren das justierte Rig:

 

 

Diese Anleitung gibt's auch als PDF-Datei zum Herunterladen!

 

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