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Weitere Tiefenhinweise

Die Wahrnehmung von Entfernungen ist kein rein geometrischer Messvorgang, auch wenn die Augenstellung (Parallaxe) und die Linsenkrümmung (Akkomodation) eine wichtige Grundlage bilden. Tatsächlich gibt es aber noch eine Vielzahl weiterer Informationen, die unser Gehirn beim Abschätzen von Entfernungen auswertet und zueinander in Beziehung setzt. Viele davon entstammen dem monoskopischen Bild, können also auch von einäugigen Menschen ausgewertet werden.

Verdeckung

Unser Gehirn ist äußerst leistungsfähig beim Erkennen von Mustern und Konturen. Wir "sehen" daher nicht einzelne Bildpunkte, sondern Formen, die wir als ganze, zusammenhängende Objekte wahrnehmen, selbst wenn sie nur teilweise sichtbar sind. Wo sich mehrere Objekte überlagern, also Teile der einen Form von einer anderen überdeckt werden, erschließen wir sofort die räumliche Lagebeziehung der Objekte - es entsteht auch ohne Stereosehen ein sicheres Gefühl für "davor" und "dahinter". So wird sicher jeder problemlos erkennen, dass der schwarze Eimer vor, und der grüne Ball hinter dem gelben Hüpfpferd stehen:

Im Stereobild wird diese Erkenntnis durch andere Tiefenhinweise - vor allem die Parallaxe - bekräftigt, so dass ein äußerst plastisches Bild entsteht:

Perspektive

Ein ander - von Malern und Zeichnern oft eingesetzter - Tiefenhinweis sind zusammenlaufende Linien und kleiner werdende Muster. Wir wissen aus Erfahrung, dass Straßenränder parallel verlaufen und das Muster der Pflastersteine überall gleich groß ist; daher können wir in den folgenden Bilder sofort erkennen, dass der Boden in die Ferne läuft:

Größe

Wir wissen von vielen Dingen aus Erfahrung, wie groß sie etwa sind. Aus der wahrgenommenen Größe können wir daher recht zuverlässig auf ihre Entfernung schließen, und aus Größenverhältnissen auf Lagebeziehungen. So ergeben im folgenden Bild die Größe der Felsen im Vordergrund und des Hauses im Hintergrund ein Gefühl für die Weite der dargestellten Landschaft:

Doch natürlich kann die Erfahrung auch zu Fehlinterpretationen führen, wie der Vergleich der beiden folgenden Bilder zeigt:

  

(Tourist vor dem Monument "Sverd i Fjell" bei Stavanger, Norwegen)

Helligkeit & Kontrast

Der meist unvermeidliche Dunst in der Luft führt bei vielen Landschaftsaufnahmen dazu, dass weiter entfernte Bildteile blaßer und mit weniger Kontrast erscheinen. Wieder lehrt uns die Erfahrung, diesen Tiefenhinweis auszuwerten:

Zusammenspiel

Es gibt noch etliche weitere Tiefenindikatoren, die wir unterbewusst beim Sehen auswerten. Manchmal widersprechen sie sich oder liefern mehrdeutige Aussagen. Doch davon merken wir nichts, denn unser Wahrnehmungszentrum in Gehirn verarbeitet alle vorliegenden Informationen nach gewissen, erlernten Prioriäten und unterdrückt dabei widersprüchliche Reize mit niedriger Relevanz. Umgekehrt verstärkt sich der Raumeindruck, wenn viele Tiefenhinweise übereinstimmende Informationen liefern. Daher können auch zweidimensionale Bilder problemlos Tiefe und Räumlichkeit vermitteln:

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